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Schluss mit lustig

Judith Mair

Zwei der wesentlichen Merkmale einer jeden Entwicklung werden (nicht nur) von Ken Wilber mit den Begriffen „transzendiere und bewahre“ beschrieben, oder mit dem – auf Hegel zurückgehenden, „Negieren und Aufheben“. Mit diesen beiden Begriffen verhält es sich wie mit den zwei Seiten eine Münze; so wichtig und charakteristisch es für alles Neue im Zuge einer Entwicklung ist, dass etwas wirklich Neues entsteht, was das Bisherige transzendiert und darüber hinausgeht, so wichtig ist es auch, dass das bisher Erreichte und Bewährte im Neuen aufgenommen wird und dort seinen neuen Platz findet. Manches wird dabei auch zurückgelassen, so z.B. eine bestimmte Weltsicht, die mit dem Erreichen einer neuen Stufe in ihrer – von der höheren Warte aus betrachtet – eingeschränkten Gültigkeit nicht mehr angemessen ist, aber Vieles ist - auch von der nächsthöheren Entwicklungsstufe aus betrachtet - nach wie vor gültig und auch notwendig, und dies gilt es zu bewahren.
Die Gefahr, die mit jeder evolutionären und auch revolutionären Stufe einhergeht, nicht nur die alten Zöpfe abzuschneiden, sondern auch im Übereifer des vermeintlich oder tatsächlich Neuem die Axt an die Wurzeln des Bewährten zu legen, und damit auch an dem Ast zu sägen auf dem man sitzt, ist groß, und von dieser Gefahr handelt dieses Buch.



Der Zusammenbruch der New Economy, der „dotcom crash“ hat uns allen schmerzlich vor Augen geführt, dass es eine Sache ist, sich auf unternehmerisches Neuland zu begeben und dort etwas Neues zu beginnen, und dass es eine ganz andere Sache ist, dies auch unternehmerisch erfolgreich im Rahmen gegebener Umstände zu tun. Neben einer Reihe von anderen Gründen ist das Scheitern vieler „start up“ Unternehmen auch darauf zurückzuführen, dass mit der Übernahme der neuen Spielregeln einer „New Economy“, leider auch viele der bewährten Spielregeln der „Old Economy“ einfach über Bord geworfen wurden, was dann im Ergebnis zu Kurseinrüchen und Unternehmenspleiten führte, verbunden mit viel persönlichem Leid und Enttäuschung. Und das ist dann nicht mehr „lustig“.
Vor diesem allgemeinen Hintergrund beschreibt die Autorin Judith Mair, die selbst Unternehmerin ist, wortgewandt, sachkundig und unterhaltsam anhand einer Vielzahl konkreter Beispiele, wie dringend die „alten Tugenden“ von Disziplin, Leistung, Kompetenz, Hierarchie usw. auch in Zukunft gebraucht werden. In der Sprache von Spiral Dynamics könnte man es so formulieren: auch eine pluralistisch inspirierte, grüne Unternehmenskultur kann keineswegs auf blaue und orange Werte, Methoden, gute Traditionen und allgemein Bewährtes verzichten. Dabei geht sie in ihren provokanten Formulierungen manchmal auch über das Ziel hinaus, und schüttet ihrerseits das Kind mit dem Bade aus, indem sie an der grünen Unternehmenskultur kein gutes Haar lässt, doch in der Tendenz trifft sie den Nagel auf den Kopf, und öffnet ihren Lesern die Augen für das, was man als eine Boomeritis Unternehmens- und Arbeitskultur beschreiben könnte: die verheerenden Auswirkungen des „gemeinen grünen Mem“ auf die Arbeitswelt, und damit auf jeden von uns.

Aus dem Klappentext des Buches:

Flache Hierarchien, hohe Flexibilität, Eigenverantwortung statt Bevormundung, Selbstverwirklichung statt Routine: Der Zeitgeist moderner Managementmethoden macht die klassische Unternehmenskultur zur Spielwiese für kommunikative Selbstdarsteller. Die schöne neue Arbeitswelt kennt keine Verlierer mehr, sondern nur motivierte und selbstbestimmte Teams, die mit emotionaler Intelligenz und sozialer Kompetenz zu einer großen Familie werden. Willkommen im Paradies.
Die Realität im Berufsalltag sieht nicht erst seit der Entzauberung der New Economy völlig anders aus: orientierungslose Mitarbeiter, verunsicherte Chefs, sinkende Produktivität. Und auf dem Höhepunkt der Spaßkultur bleibt auch für den verhätschelten Teamworker nur die ernüchternde Erkenntnis: Arbeit macht nicht wirklich Spaß, flexible Arbeitszeiten bedeuten Überstunden bis in die Nacht, Eigenverantwortung heißt in der Realität Selbstausbeutung. Und manch einer wäre froh, wenn der Kollege nicht auch noch zum Kumpel wird.

Judith Mair zeigt in ihrem provokanten Buch, warum Leistung, Disziplin, klare Regeln und verbindliche Umgangsformen im Interesse von Unternehmen und Mitarbeitern liegen. Denn das Büro ist kein Erlebnispark...

Zusammenfassung

Mit ihrer notwendigen und erfrischenden Kritik an den Übertreibungen einer Spaßgesellschaft im Büro hilft die Autorin dabei mit, das eigene Arbeitsleben, ob als Arbeiter, Angestellter, Unternehmer oder als Selbstständiger, innerhalb einer Ausgewogenheit von Bewährtem und Neuem zu gestalten, was dann wiederum zu einer gesunden Balance zwischen der beruflichen und der privaten Sphäre führt, und damit zur Verbesserung der Lebensqualität insgesamt.
Nicht alles was mit dem Etikett „neu“ daherkommt ist wirklich besser, und nicht alles „von gestern“ ist wirklich überholt. In einem Bild gesprochen: Wer eine Leiter hinaufsteigt, tut gut daran die unteren Sprossen nicht wegzuwerfen, da sonst die Stabilität der Leiter insgesamt gefährdet ist.

Michael Habecker


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Subjektiv, intersubjektiv, objektiv
Alle, nicht jeder Einführung in die Methoden der D