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Der Code der Pharaonen (Lübbe)

Lesley & Roy Adkins

Eine der aufregendsten und spannendsten Geschichten hermeneutischer Erkenntnis und Bewusstwerdung ist die Geschichte von der Entzifferung der Hieroglyphen des alten Ägypten. Was bedeuten sie, welche Geschichte und Geschichten erzählen sie, und was verraten sie uns über das Bewusstsein derjenigen, die ihre Erfahrungen und Aussagen auf unzähligen Papyrusrollen, Gemälden und Inschriften hinterlassen haben?

Das Buch Der Code der Pharaonen erzählt diese Geschichte ebenso unterhaltsam wie sachlich fundiert. Es ist die Geschichte vor allem eines Mannes und seiner Zeit, des Franzosen Jean-Francois Champollion, 23.12.1790 (siehe dazu auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Fran%C3%A7ois_Champollion).
Schon als Kind interessierte er sich für fremde Sprachen, die er sich teilweise im Selbststudium beibrachte – in den Zeiten der Revolution und danach waren die Verhältnisse alles andere als geordnet – und er beherrschte bereits mit 18 Jahren acht alte Sprachen. Ausgelöst durch Napoleons Ägypten Feldzug wurde auch Champollion von der Faszination dieser alten Kultur erfasst, und begann sich für die Hieroglyphen und ihre Entzifferung zu interessieren. Dazu erweiterte er seine bereits umfangreichen Sprachkenntnisse um Arabisch, Persisch und Koptisch. Insbesondere das Beherrschen des Koptischen – als einer noch gesprochenen Sprache, die sich aus der demotischen Sprache entwickelt hat, welche wiederum eine Spätentwicklung des Altägyptischen ist, gab ihm die Möglichkeit, gewissermaßen von innen her mit dem „Geist“ der Hieroglyphen in Berührung zu kommen, was ihm einen entscheidenden Vorteil bei deren Entzifferung brachte gegenüber Anderen, die lediglich strukturell und formal vorgingen.
Ein wichtiger Meilen“stein“ auf diesem Weg war der „Stein von Rosetta“, auf dem ein und derselbe Text in drei Sprachen abgefasst war: griechisch, demotisch und in Hieroglyphen.



Stein von Rosetta

Dennoch dauerte es noch viele Jahre, bis Champollion Worte und vor allem auch Grammatik der Hieroglyphen entziffert hatte, und diese bedeutende Epoche menschlicher Kultur für die Menschheit erschloss : „Es ist ein vielschichtiges System, eine Schrift, die zugleich abbildlich, symbolisch und phonetisch sein kann, im selben Text, Satz, ich möchte fast sagen im selben Wort.“ (261)
Krönung dieser Leistung war eine Reise nach Ägypten, auf welcher er selbst „vor Ort“ die Richtigkeit seiner Lesart der Hieroglyphen bestätigen konnte.
Diese Geschichte erzählt das Buch, anschaulich eingebettet in die Zeit in der er lebte, mit Einblicken in seinen Familien- und Freundeskreis, und unter Schilderung der enorm schwierigen Bedingungen und Widerstände, denen sich Champollion gegenüber sah, und auch der Leistungen anderer bei der Entzifferung.

Wenn wir heute Lebenden relativ leicht Zugang haben zu den alten Kulturen, zu ihren sozio-ökonomischen Strukturen und Verhältnissen, aber vor allem auch zu der Art ihres Denkens und Bewusstseins, dann verdanken wir das Pionieren wie Champollion.

Beim Lesen des Buches fiel mir ein, wie Ken Wilber beim Formulieren seines Integralen Methodologischen Pluralismus (IMP), nach einer sehr intensiven Zeit des Forschens und nachdem er alle bekannten Erkenntnismethodiken der Menschheit in einen Gesamtzusammenhang perspektivischer Wahrnehmung stellen konnte (die 8 Hauptperspektiven des in-der-Welt-sein“), am Ende seiner Aufzeichnungen das Wort „Rosetta“ schrieb. Hier bietet sich für mich eine Parallele an: so wie Champollion (und andere) durch seine Arbeit uns den Zugang zur altägyptischen Kultur ermöglicht, so schafft uns Wilber (und andere) einen neuen Zugang zur Gesamtheit unseres Wissens und unserer Erkenntnis. Aus den „Hieroglyphen“ der Vielfalt aller Erkenntnisdisziplinen bietet er uns ein „Übersetzungssystem“ an, welches uns auf eine neue Art und Weise diese Erkenntnisse verstehen, nutzen und weiterentwickeln lässt.

Michael Habecker




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Einführung in die Systemtheorie und Konstruktivism
Subjektiv, intersubjektiv, objektiv