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DU BIST VIELE (Hal und Sidra Stone)

Die Voice-Dialogue-Methode

Die Zeit der Aufklärung, beginnend etwa um 1600, wird überwiegend mit dem Durchbruch der wissenschaftlichen Erkenntnismethode in Verbindung gebracht. Diese bedeutet in einem Satz, dass Wahrheit nicht tradiert und übermittelt, sondern entdeckt wird, was dazu führte (und führt), dass alle metaphysischen und traditionell überlieferten Aussagen und Lehren einer wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen wurden (und werden) . Nach den überwältigen Erfolgen dieser Erkenntnismethode hinsichtlich der Gesetzmäßigkeiten der Materie, mit revolutionären Erkenntnisfortschritten in Physik, Chemie und Biologie, begannen mutige Pioniere schon bald und gegen erbitterte Widerstände, die wissenschaftliche Methode auch auf den Geist anzuwenden, auf die innerlichen Dimensionen des Menschen und sein Bewusstsein. Beginnend mit Kant, der von einem „a priori“ des Bewusstseins sprach, also Gegebenheiten und Strukturen des menschlichen Geistes und Bewusstseins, welche unsere Wahrnehmung färben, so dass wir die Dinge nicht „an sich“, sondern immer schon auf eine Weise vermittelt sehen, machten sich Wissenschaftler auf den Weg zur Entdeckung dieser unbekannten „a prioris“ und Territorien des menschlichen Geistes.
Eine dieser aufregenden Entdeckungen ist die von Persönlichkeitsanteilen in jedem Menschen, die sich durch Stimmen („voices“) in uns äußern, und darum geht es in dem Buch Du bist viele. Wie kommt es zu diesen Sub-Persönlichkeiten, wo kommen sie her, wie äußern sie sich in uns, welche Dynamiken entfalten sich dabei, und wie kann man mit ihnen arbeiten und sie integrieren? Hal und Sidra Stone begleiten den Leser auf dieser Reise in das Land unserer Innerlichkeit, hin zu der Frage, was wir eigentlich meinen, wenn wir „Ich“ sagen. Was ist dieses Ich oder Selbst, auf das wir uns ständig beziehen? Eine ganz wesentliche Erkenntnis dabei ist, dass wir auf unserem Entwicklungsweg Anteile unserer selbst abspalten können. Um das Kennenlernen
und die Integration dieser abgespaltenen Anteile geht es vor allem bei der Methode des Voice-Dialogue. Dabei belassen es die Autoren nicht bei objektivierenden Es-Beschreibungen psychodynamischer Vorgänge, sondern geben viele Beispiele aus ihrer langjährigen therapeutischen Praxis, in denen die unterschiedlichen Ich-Anteile
buchstäblich „zur Sprache kommen“, und der Leser sich selbst durch empathisches Einlesen und Eigenresonanz klar werden kann, inwieweit diese Anteile auch für ihn selbst eine Rolle spielen. Stimmenanteile wie der Bewacher/Beschützer, das innere Kind, der Kritiker, der Antreiber/Perfektionist, der Macht-Haber usw. haben mittlerweile auch Eingang in die psychologische orientierte Publikationslandschaft gefunden, und sind sogar Gegenstand einer Unterhaltung, und das verdanken wir auch der Pionierarbeit von Hal und Sidra Stone, die uns dabei helfen, mit uns selbst besser klar zu kommen, nicht zuletzt auch um herauszufinden, was sich hinter oder unter all unseren Persönlichkeitsanteilen letztendlich amGrund unserer Seins befindet.
Michael Habecker




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What is Enlightenment? Ausgabe 26
Deutsche Geschichte