|
Mit kulturellen Entwicklungsabfolgen wie archaisch-magisch- mythisch-rational oder den „Spiral Dynamics“ sind – nicht zuletzt durch die Bücher Wilbers – inzwischen viele vertraut. Doch das ist, wenn man so will, nur der kleinste gemeinsame Nenner, das Gerüst und die allgemeinste Struktur von Entwicklung in einer Außenbetrachtung. Möchte man tiefer eintauchen und „schmecken“, worum es dabei geht, muss man sich konkret mit einer Entwicklungsgeschichte beschäftigen, z. B. mit der der Deutschen. Deutsche Geschichte erzählt in ebenso kenntnisreicher wie lockerer Form die Geschichte (und Geschichten) der Deutschen, von den Anfängen in „Germanien“ bis zu dem, was wir Deutsche heute mit dem Pronomen „wir“ bezeichnen. Es ist eine Geschichte voller Freud und Leid, Höhen und Tiefen, Glanzlichtern und Abgründen, Gebietsvergrößerungen und Verkleinerungen, Identitätsfindung und Identitätsverlust. Der Autor verknüpft dabei geschickt historische Daten mit der Beschreibung soziologischer Strukturen und Berichten aus erster Hand aus den entsprechenden Epochen, und die Perspektivwechsel machen die Lektüre abwechselungsreich. |
 |

|
|
|
Wer noch tiefer einsteigen will, insbesondere in das gefühlte Erleben vonGeschichte anhand von Zeitzeugenberichten, dem sei das Werk Das Buch der Deutschen empfohlen, eine Zusammenstellung deutschsprachiger Texte auf über 800 Seiten von der Zeit der „alten Römer“ bis heute. Eine derartige Auswahl muss natürlich sehr beschränkt sein, dennoch gibt es eine Fülle von Highlights,die den Leser in die unterschiedlichen und chronologisch geordneten Epochenund das Zeit- und Lebensgefühls der jeweiligen Autoren eintauchen lassen. Der Bogen spannt sich vom Bericht eines römischen Geschichtsschreibers „Aus der Germania“ bis zu Herbert Grönemeyers „Mensch“, und enthält politische (Hanse, Friedrich II, Clausewitz, Marx, Scholl, Adenauer, Brandt, von Weizäcker), lyrische (Paul Gerhardt, Lessing, Heine, Rilke), mythologische (Die Edda, Hildebrandslied, Nibelungenlied), religiöse (Luther), mystische (Angelus Silesius, Meister Eckhart), juristische (Lex Salica, Reichsverfassung, Sozialistengesetze, Menschenrechte, Grundgesetz), philosophische (Kant, Fichte, Adorno) und literarische (Goethe, Schiller, Novalis, Hölderlin, Fontane, Mann, Brecht) Texte. Wer sich in das Volk der „Dichter und Denker“ einfühlen möchte, auf den Spuren seines „Nexus“ und dessen Entwicklung, ob als Inländer oder als Ausländer, dem wird dieses Buch viele Anregungen liefern und die Resonanz mit etwas ermöglichen, was nur in einem bestimmten kollektiven Inneren zu finden ist: dem Wir-Gefühl des Deutschseins. |
 |

|
|