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Wir feiern ein kleines Jubiläum! Dies ist nämlich nicht die 24., sondern schon die 25. Nummer dieses Online-Magazins „integral informiert". Denn die erste Ausgabe war noch die legendäre „Null-Nummer", die erste reguläre Nummer schon die zweite Ausgabe.
Vielleicht ist das Anlass sich einmal einen Überblick über alle bisherigen Ausgaben auf der „Integralen Bibliothek" zu verschaffen.
Mit dieser Nummer wird auch der „Wilber-Index" im Abonennten-Bereich wieder aktualisiert und der ii-Index aller Nummern der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Die Thematik dieser aktuellen Ausgabe beschäftigt die Redaktion und auch das Integrale Forum (IF) insgesamt schon länger und lässt sich in der Frage (und permanenten Untersuchung) zusammenfassen:
„Was machen wir hier eigentlich, wie machen wir es und mit wem?"
Ausgelöst durch die Diskussionen um (angeblichen oder tatsächlichen) Missbrauch von spirituellen Lehrern gegenüber ihren Schülern, von denen auch Lehrer betroffen sind, mit denen das IF in Kontakt und Austausch steht, hat der Vorstand des IF ein Positionspapier in zwei Teilen erstellt und Stellung bezogen.
Dieses Papier formuliert sowohl eine ethische Basis für uns selbst und unsere Arbeit als auch explizite Kriterien für spirituelle LehrerInnen und Menschen in Führungs- und Verantwortungspositionen allgemein. Mit diesem Papier eröffnen wir die Beiträge dieser Ausgabe: Integrale Spiritualität und spirituelle LehrerInnen - Ein Positionspapier des Integralen Forums e. V. Die in dem Papier erwähnten Kriterien für spirituelle Lehrer (und Lehren) erläutern wir am Beispiel der Person Ken Wilbers im Beitrag Die Prüfkriterien auf Ken Wilber angewendet.
Wir haben spirituelle Lehrer, die wir kennen, deutschsprachig und international, das Positionspapier übermittelt und zum Austausch eingeladen. Die ersten Reaktionen darauf sind positiv und sehr ermutigend, auch die von Ken Wilber („weiter so!"). Die Stellungnahmen von Terry Patten und Andrew Cohen schließen an die ersten Beiträge an. Weitere Kommentaren sind schon angekündigt. Mit dem Fortgang der Diskussion werden wir uns in den nächsten Ausgaben des Journals beschäftigen.
Eng mit dieser Thematik verknüpft ist auch der Anspruch der Integralen Theorie und Praxis, ein Modell zu sein, welches „alles" umfasst, was diesem Modell (und auch anderen) den Vorwurf von Totalitarismus oder sogar Faschismus einbringt. So wurde beispielsweise anlässlich eines kürzlich abgehaltenen „Healing Events" in Berlin (siehe dazu den Beitrag von Dennis Wittrock Healing Event, Berlin 2010) in einem Zeitschriftenbeitrag Ken Wilbers Auftritt per Telefoninterview wie folgt kommentiert1: sieht man Bilder des Meisters als junger Mann, mal mit Brille, mal mit Pudel. Sein Vortrag ist langatmig und schlicht – abgesehen von den Esoterik-Fachbegriffen: Statt der integrierten Gestalt des Zentauren sei bei den Nazis der Typhon des 3. Chakra erschienen etc.. Hinter Wilbers langstieliger Erklärung lauert das eigentliche Problem seines »integralen« Denkens: Wie wäre das höchste holistische Bewusstsein, über das er verfügt, das die Weltgeschichte und den Kosmos inklusive aller Geisterwelten erschließt, von einem autoritären, faschistoiden, selbstverliebten Furz abzugrenzen? Nur mit Wilbers »integralem Bewusstsein«.
Was hier als „eigentliches Problem" angesprochen wird, ist eine berechtigte Frage: Wodurch unterscheidet sich die Totalität einer „Theorie von allem" wie der von Wilber vom faschistischen Totalitarismus?
Denken wir dabei auch Karl R: Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (Tübingen 1957), der in totalen Theorien sogar von PLATON eine Gefahr für die „offene Gesellschaft", wie er sie nennt, sah.
Ja, wodurch unterscheidet sich der eine „Totalitarismus" vom anderen? „Durch die Stufe der Bewusstheit, von der aus die „totale" Perspektive eingenommen wird, und durch die Anwendung geistes- und naturwissenschaftlicher Kriterien", könnte man antworten, und man kann erkennen, entlang welcher Spannungsgräben und Argumentationslinien die zukünftige Diskussion verlaufen kann und wird.
Wie leicht höchste Ideale in schreckliche Verbrechen münden können, wird in dem Beitrag Der Schatten, das Licht und die National-Seele beleuchtet. Das, was in Deutschland (und der Welt) zwischen 1933 und 1945 geschah, ist eine bleibende Mahnung, die eigenen Ideale und Vorstellungen von einer „besseren Welt", „höherer Bewusstheit", einem „höheren Wir", „evolutionärer Spiritualität" oder „erleuchteten Gesellschaft" immer wieder (selbst)kritisch zu überprüfen, im Hinblick darauf, wer das sagt, und von welcher „kosmischen Adresse" (Entwicklungshöhe, Perspektive, Schattendynamik usw.) dies formuliert und gelehrt wird. Ebenso beispielhaft kommt der Zen Meister Genpo Roshi in einem Beitrag zu Wort: Genpo Roshi: Dreiecke: Dualistisch und Nicht-Dualistisch umfassen und übersteigen. Genpo gilt als ein Pionier der Integration von Psychodynamik und Zen. Es ist jemand, der ständig an sich arbeitet und dabei freimütig zugibt, dass auch eine intensive jahrzehntelange Zen Praxis nicht automatisch psychodynamische Defizite bereinigt.
Aus einer derartigen Haltung heraus, die um radikale Ehrlichkeit und Authentizität gegenüber den eigenen Motiven und Unzulänglichkeiten entsteht, ist es dann möglich und auch richtig, stolz zu sein auf das, was man erreicht hat und was heute möglich ist, und dazu gehört der Beitrag zum Thema Göttlicher Stolz.
Die Redaktion
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